1. Originalversion der Metapher
Die erste Fassung der Geschichte, so wie sie ursprünglich entstanden ist.
Eine psychische Erkrankung oder Störung möchte ich mit dem Gefangensein in einem Metallkäfig vergleichen. Irgendwie bin ich irgendwann in diesen Käfig
gegangen und komme nicht mehr heraus. Soweit, so unspektakulär. Und doch beginnt meine Metapher erst jetzt. Denn um den Käfig liegen
Druckplatten, die den Käfig, wenn sie belastet werden, unter Strom stellen. Es spielt im Moment keine Rolle, wer diese dort verteilt hat und warum,
sie sind da. Jede Platte schickt unterschiedlich starke Stromstöße. Allen gemein ist, dass sie mir im Käfig Schmerzen bereiten. Dann gibt es Menschen außerhalb des Käfigs. Fremde laufen vorbei, Freunde bleiben vielleicht stehen, manche laufen um den Käfig herum,
suchen nach Wegen, mir zu helfen, mich zu befreien. Und all diese Menschen können ohne Absicht auf Platten treten. Im Laufe meines Lebens habe ich gelernt, wo welche Platten liegen. Und ich habe viele Menschen kennengelernt, die jede Markierung und jeden Hinweis
darauf, dass sie bitte nicht darauf treten sollen, mit den Worten „Ich will dir keinen Stromschlag verpassen.“ oder auch „Ich kriege keinen
Stromschlag, wenn sich jemand bei mir so hinstellt.“ ignorieren. Ich frage einmal so: Wie oder was würdet ihr gegenüber diesen Menschen empfinden? Und wenn jetzt jemand, der behauptet hat, euer Freund zu sein, der auch sagt, er akzeptiert, dass ihr in diesem Käfig seid, und dem ihr oft gesagt
habt „Tritt nicht dahin“, anfängt wie ein Kind auf dem Trampolin immer wieder draufzuhüpfen und grinsend sagt „Für deine Verkabelung bist du
verantwortlich“, der sich erbost, wenn ihr vor Schmerzen schreit, weil es der Hüpfende euch doch gar nicht selbst schlägt, er hüpft eben an der
Stelle, weil er etwas völlig Sinnvolles für dich hat, ich sollte mich nicht so anstellen und endlich annehmen.
Wenn ich dann vor Schmerz blind und wütend werde, schreie und wild um mich schlage, höre ich eine andere Person nur entrüstet sagen „Also für
Schreien habe ich kein Verständnis, kontrollieren Sie sich bitte.“
Mein Freund geht von der Platte herunter, er weint, wendet sich an die Menschen, die sich gesammelt haben. Jeder wirkt bestürzt, manche flüstern.
Einer ruft „So, hilft doch mal einer, seht ihr nicht, er weint?“ Ein anderer stimmt ein „Wie egoistisch ich sei, ich hätte das sinnvolle Ding doch
nur nehmen müssen.“ Die Menge nähert sich meinem Käfig, immer wieder tritt jemand auf andere Platten. Jedes scherzerfüllte Jaulen bringt erstaunte
und mitleidige Blicke und lockt sie näher.
Der Schmerz ist unerträglich. Ich versuche panisch hochzuspringen, mich am Gitter zu halten. Da eine Stelle, vielleicht Gummi. Ich greife
verzweifelt daran. Applaus, ich höre ihn wie aus weiter Ferne „Gut gemacht, na endlich, jetzt geht’s aufwärts, und er hat vorher einfach nicht
gewollt.“ Ich halte mich fest, die Leute laufen am Käfig vorbei, freundlich nickend, ich höre das elektrische Surren meines Käfigs bei jedem
Schritt. Meine Hände schmerzen, die Arme werden schwer. So unendlich traurig bin ich, als ich falle.
Der Aufschlag fühlt sich seltsam weich an. Ein angenehmes Gefühl nach all der Zeit. Die Situation ist surreal, so bitter, ich muss lachen. „Er findet es wohl lustig“, empört sich der Mann, der vor mir steht. Vor mir, genau, nicht im Käfig, im Käfig bin ich allein.
„Der will nur gefüttert werden, deswegen bleibt er drin“, erklärt eine feine Dame. Sie rührt etwas um, was auf einem Tablet steht. Sie rührt langsam. Sie und der Mann stehen auf zwei Platten. Es schmerzt. „Bitte, bitte, wenn ihr helfen wollt, bitte nicht auf die Platten treten“, bettle ich. Ein verächtliches „Auch noch Anforderungen stellen“ kommt von irgendwo her.
Der Schmerz wird wieder größer. Mein Freund ist zurück. Er sagt, die Kleidung würde zu schwer sein, deswegen fiel ich runter.
Haben Sie es sich vorgestellt? Bestimmt sollte ich mich nicht so anstellen, so sensibel sein. Ich könnte doch auch meinen Käfig verlassen, bestimmt.
2. Reflexion: Erkennen sich die Menschen wieder?
Aus dem Chat mit Chatgpt heraus gefragt: Wie erleben sich die Personen, die in der Metapher vorkommen?
In der ursprünglichen Fassung liegt der Fokus stark auf dem Erleben des lyrischen Ich: der Mensch im Käfig, überfordert von der Situation, sich selbst und den Reaktionen der anderen. Die Menschen außen herum, Freundinnen, Familie, Kolleginnen, tauchen vor allem als Auslöser von Schmerz auf: Sie relativieren, geben schnelle Ratschläge, ziehen Grenzen oder ziehen sich zurück.
Menschen, die selbst zu solchen relativierenden Sätzen neigen (zum Beispiel: „Allen geht es doch mal schlecht“, „Du musst einfach nur …“), erkennen sich in dieser ersten Fassung oft nicht wieder. Sie erleben sich nicht als „Täter“, sondern als überforderte Menschen, die irgendwie versuchen, mit der Situation zurechtzukommen.
Damit sie sich eher wiederfinden, braucht die Metapher Stellen, an denen ihre Innenwelt sichtbar wird: Momente von Hilflosigkeit („Ich weiß nicht, was ich noch sagen soll“), Angst („Wenn ich das ernst nehme, macht mir das selbst Angst“) oder Scham („Ich fühle mich schlecht, weil ich dir nicht gerecht werde“). Erst wenn auch diese Verletzlichkeit vorkommt, ist erkennbar, dass sie nicht „die Bösen“ sind, sondern selber unter Druck stehen – und dass manche Sätze eher ein Schutzversuch als mangelnde Empathie sind.
3. Abwehrschonende Version der Metapher
Eine Fassung, in der sowohl die Person im Käfig als auch die Menschen außen herum einen inneren Raum bekommen.
(Du kannst diesen Textteil frei anpassen oder durch deine gespeicherte abwehrschonende Version ersetzen.)
[PLATZHALTER: abwehrschonende Version]
4. Kommentare zur Geschichte
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